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Vergabeverfahren

Nachhaltige Beschaffung

Nachhaltige Beschaffung bezeichnet die Integration ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Kriterien in öffentliche Vergabeverfahren.

Was bedeutet Nachhaltige Beschaffung?

Nachhaltige Beschaffung beschreibt die strategische Ausrichtung öffentlicher Einkaufsprozesse unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Aspekte. Öffentliche Auftraggeber berücksichtigen dabei nicht nur den Preis, sondern auch Faktoren wie Umweltverträglichkeit, faire Arbeitsbedingungen, Ressourceneffizienz und Lebenszykluskosten. Dies geschieht in der Überzeugung, dass die öffentliche Hand mit einem jährlichen Beschaffungsvolumen von mehreren hundert Milliarden Euro in Deutschland eine erhebliche Marktmacht besitzt und diese zur Förderung nachhaltiger Entwicklung einsetzen kann.

Die Umsetzung nachhaltiger Beschaffung erfolgt auf verschiedenen Stufen des Vergabeverfahrens. Bereits in der Bedarfsanalyse kann geprüft werden, ob eine Beschaffung überhaupt notwendig ist oder ob Alternativen wie Reparatur, Miete oder gemeinsame Nutzung infrage kommen. In der Leistungsbeschreibung können Umweltkriterien wie Energieeffizienz, Recyclingfähigkeit oder der Einsatz schadstoffarmer Materialien als technische Anforderungen definiert werden. Bei den Zuschlagskriterien können Nachhaltigkeitsaspekte als Bewertungskriterien einfliessen, und bei den Ausführungsbedingungen können soziale Standards wie die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen vorgegeben werden.

Gütesiegel und Zertifizierungen wie der Blaue Engel, das EU-Umweltzeichen oder Fair-Trade-Siegel können als Nachweis für die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien herangezogen werden. Auftraggeber müssen dabei stets gleichwertige Nachweise akzeptieren, um den Wettbewerb nicht unzulässig einzuschränken.

Relevanz für Bieter

Für Bieter gewinnt nachhaltige Beschaffung zunehmend an Bedeutung, da immer mehr Auftraggeber Nachhaltigkeitskriterien in ihre Vergabeverfahren integrieren. Unternehmen, die frühzeitig in nachhaltige Produkte, Prozesse und Zertifizierungen investieren, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil. Es empfiehlt sich, relevante Zertifizierungen wie Umweltmanagementsysteme nach ISO 14001 oder Energiemanagementsysteme nach ISO 50001 zu erwerben und aktiv in Angeboten einzusetzen.

Bieter sollten die spezifischen Nachhaltigkeitsanforderungen der jeweiligen Ausschreibung genau analysieren und in ihrem Angebot gezielt darauf eingehen. Die blosse Behauptung nachhaltigen Handelns reicht nicht aus; vielmehr müssen konkrete Nachweise und Belege vorgelegt werden.

Rechtlicher Rahmen

Die rechtliche Grundlage für nachhaltige Beschaffung findet sich in Paragraph 97 Absatz 3 GWB, der die Berücksichtigung sozialer und umweltbezogener Aspekte ausdrücklich erlaubt. Paragraphen 58 und 59 VgV regeln die Möglichkeit, Umwelt- und Sozialkriterien als Zuschlagskriterien zu verwenden. Paragraph 61 VgV gestattet die Festlegung besonderer Ausführungsbedingungen. Die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung (KNB) beim Beschaffungsamt des BMI unterstützt Vergabestellen bei der Umsetzung.

Verwandte Begriffe

Losaufteilung
Die Losaufteilung bezeichnet die Unterteilung eines öffentlichen Auftrags in mehrere Teillose, um den Wettbewerb zu fördern und mittelständischen Unternehmen den Zugang zu erleichtern.
Nachprüfungsverfahren
Das Nachprüfungsverfahren ist das formelle Rechtsschutzverfahren, mit dem Bieter Verstöße gegen Vergaberecht im Oberschwellenbereich vor der Vergabekammer anfechten können.
Zuschlagskriterien
Zuschlagskriterien sind die vom Auftraggeber festgelegten Bewertungsmaßstäbe, anhand derer das wirtschaftlichste Angebot ermittelt und der Zuschlag erteilt wird.
Leistungsverzeichnis
Das Leistungsverzeichnis beschreibt die zu erbringenden Leistungen einer Ausschreibung detailliert und bildet die Grundlage für die Angebotskalkulation.
Nicht-offenes Verfahren
Das nicht-offene Verfahren ist ein zweistufiges Vergabeverfahren, bei dem zunächst ein Teilnahmewettbewerb stattfindet und anschließend nur ausgewählte Bewerber zur Angebotsabgabe aufgefordert werden.
Innovationspartnerschaft
Die Innovationspartnerschaft ist ein Vergabeverfahren zur gemeinsamen Entwicklung und anschließenden Beschaffung innovativer Produkte, Dienstleistungen oder Bauleistungen.
Offenes Verfahren
Das offene Verfahren ist die transparenteste Vergabeart, bei der jedes interessierte Unternehmen ein Angebot abgeben kann, ohne dass eine Vorauswahl stattfindet.
Freihändige Vergabe
Die freihändige Vergabe ist ein informelles Vergabeverfahren im Unterschwellenbereich, bei dem der Auftraggeber direkt mit Unternehmen über die Auftragsvergabe verhandeln kann.
Präqualifizierung
Die Präqualifizierung ist ein vorgelagertes Verfahren, bei dem Unternehmen ihre grundsätzliche Eignung für öffentliche Aufträge vorab nachweisen und in einem Register eintragen lassen.