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Vergabeverfahren

Wettbewerblicher Dialog

Der wettbewerbliche Dialog ist ein Vergabeverfahren für besonders komplexe Aufträge, bei dem der Auftraggeber mit ausgewählten Bewerbern eine Lösung erarbeitet.

Was bedeutet Wettbewerblicher Dialog?

Der wettbewerbliche Dialog ist eine besondere Vergabeverfahrensart, die für Aufträge vorgesehen ist, bei denen der Auftraggeber nicht in der Lage ist, die zur Befriedigung seiner Bedürfnisse geeigneten technischen, rechtlichen oder finanziellen Mittel im Voraus hinreichend zu bestimmen. In solchen Fällen ermöglicht der wettbewerbliche Dialog einen strukturierten Austausch zwischen Auftraggeber und ausgewählten Bewerbern, um gemeinsam eine oder mehrere geeignete Lösungen zu entwickeln.

Das Verfahren läuft in drei Phasen ab: In der ersten Phase findet ein Teilnahmewettbewerb statt, in dem die Eignung der Bewerber geprüft wird. In der zweiten Phase, der Dialogphase, führt der Auftraggeber mit den ausgewählten Teilnehmern Gespräche über alle Aspekte des Auftrags. Der Dialog kann in mehreren Runden stattfinden, und der Auftraggeber kann die Zahl der Teilnehmer sukzessive reduzieren. In der dritten Phase, nach Abschluss des Dialogs, werden die verbliebenen Teilnehmer aufgefordert, auf Grundlage der im Dialog erarbeiteten Lösungen ihre endgültigen Angebote abzugeben.

Der wettbewerbliche Dialog findet in der Praxis insbesondere bei öffentlich-privaten Partnerschaften (PPP/ÖPP), komplexen IT-Projekten und innovativen Infrastrukturvorhaben Anwendung. Er bietet den Vorteil, dass das Fachwissen der Wirtschaftsteilnehmer in die Lösungsfindung einfliesst, während der Wettbewerb und die Transparenz gewahrt bleiben.

Relevanz für Bieter

Der wettbewerbliche Dialog bietet Bietern die Möglichkeit, ihre Expertise und Innovationskraft aktiv in die Lösungsentwicklung einzubringen. Im Unterschied zum offenen oder nicht-offenen Verfahren können Bieter im Dialog eigene Ideen und Konzepte vorstellen und diese im Austausch mit dem Auftraggeber weiterentwickeln.

Für Bieter ist der wettbewerbliche Dialog jedoch auch mit erheblichem Aufwand verbunden. Die Dialogphase erfordert die Bereitstellung qualifizierter Mitarbeiter, die intensive Ausarbeitung von Lösungskonzepten und häufig mehrere Präsentermine. Bieter sollten daher sorgfältig abwägen, ob die Erfolgsaussichten den Aufwand rechtfertigen. Einige Auftraggeber bieten den Dialogteilnehmern eine Aufwandsentschädigung an.

Rechtlicher Rahmen

Der wettbewerbliche Dialog ist in Paragraph 18 VgV für den Oberschwellenbereich geregelt. Die Voraussetzungen für seine Anwendung finden sich in Paragraph 14 Absatz 3 VgV. Die EU-Vergaberichtlinie 2014/24/EU regelt den wettbewerblichen Dialog in Artikel 30. Die Mindestanzahl der Dialogteilnehmer beträgt drei. Während der Dialogphase ist der Auftraggeber verpflichtet, die Gleichbehandlung aller Teilnehmer sicherzustellen und vertrauliche Informationen eines Teilnehmers nicht ohne dessen Zustimmung an andere weiterzugeben.

Verwandte Begriffe

Vorinformation
Die Vorinformation ist eine frühzeitige Bekanntmachung, mit der öffentliche Auftraggeber den Markt über geplante Beschaffungsvorhaben informieren.
Zuschlagsfrist
Die Zuschlagsfrist ist der Zeitraum, innerhalb dessen der öffentliche Auftraggeber den Zuschlag auf ein Angebot erteilen muss, bevor die Bieter nicht mehr an ihre Angebote gebunden sind.
Verhandlungsverfahren
Das Verhandlungsverfahren ist eine Vergabeart, bei der der Auftraggeber mit ausgewählten Bietern über die Angebotsinhalte und -konditionen verhandeln kann.
Innovationspartnerschaft
Die Innovationspartnerschaft ist ein Vergabeverfahren zur gemeinsamen Entwicklung und anschließenden Beschaffung innovativer Produkte, Dienstleistungen oder Bauleistungen.
Zuschlagskriterien
Zuschlagskriterien sind die vom Auftraggeber festgelegten Bewertungsmaßstäbe, anhand derer das wirtschaftlichste Angebot ermittelt und der Zuschlag erteilt wird.
Teilnahmewettbewerb
Der Teilnahmewettbewerb ist die erste Stufe eines zweistufigen Vergabeverfahrens, in der Unternehmen ihre Eignung nachweisen und für die Angebotsphase ausgewählt werden.
Zweistufiges Vergabeverfahren
Ein zweistufiges Vergabeverfahren unterteilt den Vergabeprozess in eine Teilnahmephase zur Eignungsprüfung und eine anschließende Angebotsphase für ausgewählte Bewerber.
Submission
Die Submission ist der formelle Akt der Angebotseröffnung, bei dem die eingegangenen Angebote zu einem festgelegten Zeitpunkt geöffnet und dokumentiert werden.
Auftragsarten
Auftragsarten bezeichnen die Klassifikation öffentlicher Aufträge in Liefer-, Dienst- und Bauaufträge gemäß dem Vergaberecht.