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Rechtliches

Rechtsmittelverfahren

Das Rechtsmittelverfahren bezeichnet die gerichtliche Überprüfung von Entscheidungen der Vergabekammer durch den Vergabesenat des zuständigen Oberlandesgerichts.

Was bedeutet Rechtsmittelverfahren?

Das Rechtsmittelverfahren im Vergaberecht bezeichnet das gerichtliche Verfahren, das sich an eine Entscheidung der Vergabekammer anschließt. Wenn eine Partei mit dem Beschluss der Vergabekammer nicht einverstanden ist, kann sie sofortige Beschwerde beim zuständigen Oberlandesgericht (OLG) einlegen. Dort entscheidet der Vergabesenat über die Beschwerde. Dieses zweistufige System aus Vergabekammer und OLG bildet das vergaberechtliche Rechtsschutzsystem im Oberschwellenbereich.

Die sofortige Beschwerde muss innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung des Beschlusses der Vergabekammer eingelegt werden. Sie ist beim zuständigen Oberlandesgericht zu erheben und hat keine aufschiebende Wirkung. Das bedeutet, dass die Entscheidung der Vergabekammer grundsätzlich vollziehbar bleibt, es sei denn, das OLG ordnet auf Antrag die aufschiebende Wirkung der Beschwerde an. Der Vergabesenat kann die Entscheidung der Vergabekammer aufheben, ändern oder die Beschwerde zurückweisen.

In besonders bedeutsamen Rechtsfragen kann der Vergabesenat die Rechtsbeschwerde zum Bundesgerichtshof (BGH) zulassen. Dies geschieht insbesondere bei grundsätzlicher Bedeutung der Rechtsfrage oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung. In der Praxis sind Rechtsbeschwerden zum BGH im Vergaberecht jedoch selten.

Relevanz für Bieter

Für Bieter stellt das Rechtsmittelverfahren die letzte Instanz im vergaberechtlichen Rechtsschutz dar. Es ermöglicht die Überprufuung der Vergabekammerentscheidung durch ein unabhängiges Gericht. Die Entscheidung, eine sofortige Beschwerde einzulegen, sollte jedoch wohlabgewogen sein, da mit dem Verfahren erhebliche Kosten verbunden sind, einschließlich Gerichtsgebühren und Anwaltskosten.

Bieter müssen die kurze Beschwerdefrist von zwei Wochen strikt einhalten. Es empfiehlt sich daher, bereits während des Vergabekammerverfahrens eine Einschätzung der Erfolgsaussichten eines möglichen Beschwerdeverfahrens vorzunehmen. Die Beauftragung eines auf Vergaberecht spezialisierten Rechtsanwalts ist für das Beschwerdeverfahren vor dem OLG in der Regel zwingend erforderlich, da vor den Oberlandesgerichten Anwaltszwang besteht.

Rechtlicher Rahmen

Das Rechtsmittelverfahren ist in den Paragraphen 171 bis 178 GWB geregelt. Die sofortige Beschwerde wird in Paragraph 171 GWB normiert. Die Zuständigkeit der Vergabesenate ergibt sich aus Paragraph 171 Absatz 3 GWB. Die Rechtsbeschwerde zum BGH ist in Paragraph 179 GWB geregelt. Die EU-Rechtsmittelrichtlinien 89/665/EWG und 92/13/EWG bilden den europarechtlichen Rahmen und verpflichten die Mitgliedstaaten zur Bereitstellung wirksamer und zügiger Nachprüfungsverfahren.

Verwandte Begriffe

Rahmenvereinbarung
Eine Rahmenvereinbarung ist ein Vertrag zwischen einem öffentlichen Auftraggeber und einem oder mehreren Unternehmen, der die Bedingungen für künftige Einzelaufträge während einer bestimmten Laufzeit festlegt.
Schwellenwerte
Schwellenwerte sind die gesetzlich festgelegten Auftragswertgrenzen, ab denen öffentliche Aufträge nach dem strengeren EU-Vergaberecht ausgeschrieben werden müssen.
Nachprüfungsverfahren
Das Nachprüfungsverfahren ist das formelle Rechtsschutzverfahren, mit dem Bieter Verstöße gegen Vergaberecht im Oberschwellenbereich vor der Vergabekammer anfechten können.
Vergabekammer
Die Vergabekammer ist die zuständige Instanz für die Überprüfung von Vergabeentscheidungen öffentlicher Auftraggeber im Oberschwellenbereich.
GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen)
Das GWB ist das zentrale deutsche Wettbewerbsgesetz, das im vierten Teil die grundlegenden Regeln für das öffentliche Vergabewesen enthält.
Konzessionsvergabeverordnung (KonzVgV)
Die Konzessionsvergabeverordnung regelt die Vergabe von Bau- und Dienstleistungskonzessionen durch öffentliche Auftraggeber und Konzessionsgeber in Deutschland.
Sektorenverordnung (SektVO)
Die Sektorenverordnung regelt die Vergabe öffentlicher Aufträge durch Auftraggeber in den Bereichen Wasser, Energie, Verkehr und Postdienste.
Unterschwellenvergabeordnung (UVgO)
Die Unterschwellenvergabeordnung regelt die Vergabe öffentlicher Liefer- und Dienstleistungsaufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte.
VOL (Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen)
Die VOL war das Regelwerk für die Vergabe und vertragliche Abwicklung von Liefer- und Dienstleistungsaufträgen der öffentlichen Hand.